Livestream von Veranstaltungen der RLS auf dem Kirchentag

Die folgenden Veranstaltungen der Rosa Luxemburg Stiftung auf dem 35. Deutschen Evangelischen Kirchentag in Stuttgart wurden live per Internet gesendet:

Donnerstag, 4. Juni 2015, 15.30 Uhr – 16.15 Uhr:

FRIEDEN WAGEN IN EINER NEUEN ZEIT DER ABSCHRECKUNG

Freitag, 5. Juni 2015, 11.15 Uhr – 12.45 Uhr:

PRÄSENTATION DES BUCHES «DIESE WIRTSCHAFT TÖTET». KIRCHEN GEMEINSAM GEGEN KAPITALISMUS

Freitag, 5. Juni 2015, 18.30 Uhr – 21.30 Uhr:

SEMINAR „FEINDBILD ISLAM: KAMPF DER KULTUREN ODER RASSISMUS?

Samstag, 6. Juni 2015, 10.00 Uhr – 12.00 Uhr:

UNHEILIGE ALLIANZ. DAS GEFLECHT VON CHRISTLICHEN FUNDAMENTALISTEN

 

 

Ein Gedanke zu „Livestream von Veranstaltungen der RLS auf dem Kirchentag

  1. Protestanten und Katholiken bereiten sich aufs gemeinsame Abendmahl vor- wollen nichtglaubende Linke mit an den Tisch?

    Eindrücke vom evangelischen Kirchentag in StuttgartEinerseits: irgendwie ist es auch hier in Stuttgart wie an allen Kirchentagen. Posaunenchöre in Fußgängerzonen und an Straßenbahnhaltestellen, riesige Hallen beim „Markt der Möglichkeiten“, bei dem sich Hunderte von Gruppen, Organisationen und Parteien mit ihrem Anliegen den Kirchentags Besucher vorstellen.Angefangen von der „Internet-basierten Arbeitsgemeinschaft abstinenter Motorradfahrer“ über Stotterer, Menschen mit TouretteSyndrom, Vertreter der gewaltfreien Kommunikation, der Zusammenschlusses aller kirchlichen Kneipen und Cafés, einer Vielzahl von Basisinitiativen zum nachhaltigen Wirtschaften und zur dezentralen Energiegewinnung, natürlich alle Parteien und ihre Parteistiftungen, alle Kirchenverlage und Organisationen, von den „Vereinigung Schwulen und lesbischer Pfarrer und Kirchenbeschäftigte“ bis hin zur Konfektionsfirma, die Talare und die sogenannten „Bäffchen“ erstellt.Bei über 150.000 Gästen immer wieder einem Gedränge und Geschubse, und wenn ich mich entschuldige, höre ich immer wieder die Antwort: „keine Ursache, ist doch Kirchentag!“Eine friedvolle Atmosphäre des Nebeneinanders der unterschiedlichsten Zugänge zur „frohen Botschaft (= Evangelium)“ oder einfach nur dem Bedürfnis, für sein Anliegen auf so einem Massen-Event zu werben.Der Grand Segnieur der Bewegung für mehr Solarenergie, Franz Alt, mag Recht haben mit seiner Äußerung: „der Kirchentag muss radikaler werden!“.Und natürlich kann und muss man kritisieren, dass der Kirchentag, der sich als Graswurzelbewegung versteht, von einem Kirchentagspräsidium geleitet wird, dem neben der Schweizer Theologen Christina aus der Au nur noch der deutsche Außenminister Franz-Walter Steinmeier und der Vorstandsvorsitzende der Boehringer AG, Andreas Barner angehören.Man kann kritisieren, dass im Vorstand zwar Minister wie Thomas de Maiziere oder die grüne Fraktionsvorsitzende Katrin Göring-Eckardt, viele weitere Landesminister aus CDU und SPD, aber weder ein Vertreter der Kirche von unten, noch ein Gewerkschafter oder einen Vertreter der Befreiungstheologie vertreten ist.Das alles aber ändert nichts daran, dass Kirchentage, die ich seit 15 Jahren besuche,  für mich immer wieder Begegnungen mit Künftigem, mit Visionen, mit Hoffnungsträgern, mit Graswurzelbewegungen, mit vielen Menschen, die voller Kreativität und Ausdauer sich für eine bessere, solidarische, und nachhaltige Gesellschaft einsetzen, sind.Wer wissen will, wie sich eine solidarische Gesellschaft der Zukunft in ihrer ganzen bunten Pluralität zusammensetzen könnte, kommt am Markt der Möglichkeiten und den in vielen Workshops und Veranstaltungen manifestierten Zukunftshoffnungen nicht vorbei.“Margot Käßmann ruft zum System Bruch auf!“Am Freitag titelt so die Stuttgarter Zeitung die BibelArbeit der ehemaligen Rats Vorsitzenden der EKD. Vor 15000 ZuhörerImnen geißelte sie den Finanzkapitalismus, forderte einen Schuldenerlaß für Griechenland, dass bedingungslose Grundeinkommen, dass Verbot aller Wafenexporte und sagte u.a.: „“Geiz ist nicht geil – auf keine Art und Weise“ und sie findet es „beknackt“, wenn vor der Tagesschau gemeldet werde, dass der Dax wiedermal eine bestimmte Marke geknackt habe. Besser wäre es ihrer Meinung nach, wenn dort täglich vermeldet würde, „wie viele Kinder heute in Deutschland geboren wurden, wie viele Flüchtlinge wir aufgenommen haben, wie viele Menschen geheiratet haben, wie viele junge Leute einen festen Anstellungsvertrag unterschreiben konnten“.Insgesamt interpretiert die Pfarrerin die Geschichte vom untreuen Verwalter aus dem Lukas-Evangelium als Aufforderung, den Mut zum Systembruch, zur Regelverletzung, zu Visionen zu haben und nicht der Logik des Marktes zu folgen, sondern nach ethischen Maßstäben zu handeln.Und die LINKE?Sie ist wie immer mit einem Stand der ansonsten in der Partei wohl kaum bekannten „Arbeitsgemeinschaft der Christinnen und Christen in der Linkspartei“ zu vertreten, auf dem wie immer die nach eigener Aussage „Glaubende“, Petra Pau und der bekennende Christ Bodo Ramelow tapfer für mehr Toleranz und Zusammenarbeit der Nicht-Glaubender Sozialisten mit Glaubenden eintreten.Örtliche Mitglieder der Partei sieht man dagegen kaum. Während Protestanten und Katholiken nunmehr immer mehr dass GEMEINSAME Abendmal feiern, fragt sich, ob die LINKEN weiterhin abseits stehen wollen- oder am Tisch mit Platz nehmen wollen…Dabei nimmt sich die parteinahe Rosa-Luxemburg-Stiftung von Mal zu Mal anspruchsvoller dem Thema der Zusammenarbeit von Marxisten und Christen an.Während im Mittelpunkt der Veranstaltungen auf dem Hamburger Kirchentag 2013 der sogenannte „interreligiöse Dialog“ (also der Dialog zwischen ChristenInnen, Juden undJüdinnen und Anhänger des muslimischen Glaubens) in Mittelpunkt stand, forderte in Stuttgart Cornelia Hildebrand, die in der Rosa-Luxemburg-Stiftung für „weltanschauliche Dialoge“ und die Veranstaltungen auf den Kirchentagen verantwortlich ist, zu eben diesem Dialog auf.Also nicht bloß das taktische Bündnis, die Zusammenarbeit mit christlichen Gruppen, um bei der Demo oder Veranstaltung eine größere Teilnehmerzahl zu gewinnen, sondern ausdrücklich auch der konstruktive Dialog über Unterschiede und solche Aspekte des einen Partners, die eine Bereicherung für den anderen Partner darstellen könnten.Auf die Frage des Chefredakteurs des publik-Forums, Wolfgang Kessler, was nach ihrer Meinung die Linke von ChristInnen lernen könne, gab sie denn auch eine nachdenkenswerte Antwort, die sinngemäß beinhaltete:- das Gebet, als eine Form des Innehaltens, der Zwiesprache mit Gott, des Nachdenkens über eigene Fehler, – die Fähigkeit, die sie in christlichen Veranstaltungen erlebe, dass Menschen unterschiedlichster Herkunft, Sozialisation und Generationszugehörigkeit geschwisterlich miteinander umgehen anders als sie das oft bei der Linken erlebe und schließlich- das ganzheitliche Herangehen an die Aufgabe „Bewahrung der Schöpfung, was bei der Linkspartei eher hölzern und als Addition verschiedener Politik-Begriffe der „sozial-ökologische Umbau“ genannt werde.Aus meiner Sicht scheint mir ein weiterer Punkt von größter Bedeutung: die – ja auch in christlichen Kreisen nicht völlig unumstrittene – Strategie des „gewaltlosen Widerstandes“, wie sie von Mahatma Gandhi und von Martin Luther King entwickelt und erfolgreich praktiziert wurde.Ministerpräsident Bodo Ramelow hält Laudatio zum 80. Geburtstag des Nestors der Befreiungstheologie im deutschsprachigen Raum, Professor Ulrich Duchrow.Auf der erstmals zusammen mit dem linkschristlichen „publik-Forum“ veranstalteten Vorstellung eines Buches zu Ehren des Geburtstags von Ulrich Duchow unter dem Titel eines Zitates von Papst Franziskus: „diese Wirtschaft tötet“, bedankte sich Bodo Ramelow für die jahrelange konstruktive Zusammenarbeit und den Dialog mit seinem Freund „Uli“, der seinen Anfang in der Vorbereitung der Erfurter Erklärung von 1997 fand. Nach den lähmenden Jahren der Kanzlerschaft von Helmut Kohl war dies ein Aufruf zum „Aufstehen gegen den Neoliberalismus“, und auch der Appell an die Parteien links von der CDU ihre Animositäten zu überwinden und zur Zusammenarbeit zu finden. Ramelow nannte diese Erfurter Erklärung als den Startschuss einer Entwicklung, die nun in die Bildung der rot rot-grünen thüringischen Landesregierung geführt habe.Die Veranstalter hatten wohl mit 30-40 Teilnehmerinnen gerechnet, es wurden dann fast doppelt so viele und völlig überfüllt.Ganz offenkundig wollten viele Kirchentagsbesucher auch die Standpunkte eines linken Ministerpräsidenten, der gleichzeitig bekennender Christ ist, kennen lernen und bereiteten ihm wie dem Jubilar einen herzlichen und warmen Empfang.Kapitalismus als Religion?Dies war der Titel einer weiteren Veranstaltung der Rosa-Luxemburg-Stiftung, in der ihr Vordenker Michael Brie sich mit Ulrich Duchrow und Franz Segbers austauschten.Kein Promi der christlichen linken und schon reduzierte sich die Teilnehmerzahl auf ca. 20.Bemerkenswert am Rande war hier die Kritik des Atheisten Michael Brie an den Thesen linker Theologen, dass der Neoliberalismus als neuer Mammon eine Religion gleichkäme. Er empfand das als Blasphemie, denn Religionen egal ob die Abrahamtischen, der Buddhismus und andere zeichneten sich doch immer dadurch aus, dass sie den Nächsten als Bruder, die Geschwisterlichkeit in den Mittelpunkt stellten, was man dem Neoliberalismus nun wirklich nicht attestieren darf.Die katholische „Kirchen Volksbewegung“ als Hefe auf dem evangelischen Kirchentag.Man darf auch darüber nachdenken, warum es ausgerechnet die katholische „wir sind Kirche“ Bewegung geschafft hat mit insgesamt 24 Veranstaltungen „am Jakobsbrunnen“ wohl mit die höchste Dichte kritischer Themen und Referenten zu präsentieren, ob das der Vortrag von Dr. Michel Brinkschröder, aus der „Werkstatt schwule Theologie“ zum Thema „Erotik zwischen Engeln und Eunuchen“, das Gespräch mit Heiner Geißler über Ökumene nach 500 Jahren und die Bedeutung Luthers für die Katholiken war, oder die Vorträge des Witwers von Dorothee Sölle, Professor Dr. Flunkert Steffensky, des Grünen Europa-Abgeordneten Sven Giegold und anderer.Meinen persönlichen Höhepunkt stellte der Vortrag von Eugen Drewermann (wieder einmal!) zum Thema „was eigentlich besagt das Christentum?“ dar. Der Kern aller Religiosität, aller biblischen Geschichten, sei – so führte er in gewohnt druckreifer Rede aus, der Trost, nicht im Sinne von besänftigen, sondern Ermutigung derer, die von Karl Marx genannt worden als „entwürdigte, und erniedrigte Kreaturen“.Höhepunkt für mich persönlich soll deshalb auch die Großveranstaltung am Samstagabend in der Hanns-Martin-Schleyer-Halle sein, der „Mut-mach-Abend“.“Dr. Eckart von Hirschhausen Facharzt für Humor gibt den Wunderheiler, Jazzmusik hilft müden Geistern auf die Beine, ein Soziologe entschleunigt und glaubt an Resonanzräume, bis ein vom Leben gezeichnetes Paar den Abendsegen spendet: What a night!“, berspricht uns das Kirchentagsprogrammheft. Bei dem „vom Leben gezeichneten Paar“ handelt es sich um den ehemaligen EKD-Ratsvorsitzenden Dr. Nikolaus Schneider und seine an Krebs erkrankte Frau Anne Schneider.Lachen, Freude haben und Freunde finden, erstmals Tanz-Exerzitien als ungewohnte Meditationsform erleben, all das bedeutet mir der Stuttgarter Kirchentag.Mit dem Motto musste ich mich erst anfreunden: „damit wir klug werden“ (Psalm 90,12), der ganze Satz dort lautet: „Herr, lehre uns, dass wir sterben müssen, damit wir klug werden.“ Und die Bibel in gerechter Sprache übersetzt den 2. Satzteil mit den Worten: „damit wir Weise werden.“Der kleine Prinz von Saint Exupery sagt einmal: „man sieht nur mit dem Herzen gut!“Wer es hier in Stuttgart versucht, dem geht das Herz über.

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