Grauen – Glaube

Ingolf Bossenz über die Mission von Papst Franziskus in Afrika

Neues Deutschland, 24.11. 2015

»Das Grauen! Das Grauen!« Dass die letzten Worten des belgischen Elfenbeinhändlers Kurtz von düsterer Prophetie erfüllt waren, die mehr als ein Jahrhundert überdauern würde, konnte Joseph Conrad nicht ahnen. 1899 war dessen Erzählung »Herz der Finsternis« mit Kurtz als monströsem Protagonisten erschienen.

Wenn sich, 116 Jahre danach, an diesem Mittwoch Papst Franziskus auf seine erste Afrikareise begibt, wird er auf einen Kontinent treffen, der weiter von Mächten der Finsternis heimgesucht wird: Hunger, Armut, Krankheit, Krieg. Vor allem der – nach Kenia und Uganda – geplante Besuch der von Gewalt zerrissenen Zentralafrikanischen Republik soll Sorge und Fürsorge des »Stellvertreters« um die von Not, Elend und Konflikten Geschundenen demonstrieren. In der Kathedrale der Hauptstadt Bangui will der Papst gar eine »Heilige Pforte« öffnen – gewissermaßen als Preview des Heiligen Jahres, dessen Beginn am 8. Dezember in Rom zelebriert wird.

Afrikas Katholiken werden die Aufmerksamkeit, die ihnen der Heilige Vater schenkt, gern annehmen. Ist doch für Millionen Menschen südlich der Sahara der Glaube an Jesus, Maria und die – oft animistisch angepasste – Dreifaltigkeit geistlicher Trost in einer Welt der Trostlosigkeit. Dort ist das Hauptverbreitungsgebiet des Christentums auf dem »schwarzen Kontinent«. Rund 180 Millionen der 1,1 Milliarden Afrikaner sind Katholiken. Die Tendenz ist steigend und die Konkurrenz groß.

Neben evangelikalen Konfessionen, die eine auf religiösen Massenkonsum angelegte charismatisch-eklektische Mixtur bieten, ist es vor allem der Islam, dessen eschatologische Verheißungen viele Enttäuschte mit neuen Täuschungen ausfüllen – und blutige Schneisen durch die Volksgruppen schlagen. Die große Sorge ist, dass ein Besuch des Obermissionars aus Rom diesen Glaubenskampf anheizen könnte.

 

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