Religion muss Teil der Lösung sein!

Der dritte Kirchentagstag beginnt für mich mit ganz neuen Ansichten. Da ich gleich mit dem Team der RLS zum Kirchentagsgelände fahre, bin ich schon eine Stunde bevor die Türen für die Besucher geöffnet werden auf dem Markt der Möglichkeiten. Im Gewusel bereiten sich ganz viele Standbesatzungen auf den neuerlichen Menschenandrang vor.  Während ich das Treiben beobachte, kommen einige Kolleginnen und Kollegen von Nachbarständen auf mich zu, die offensichtlich auch aus Thüringen kommen. Vertreterinnen einer Krebs-Selbsthilfegruppe, der Verband der Organspender, die Nierentransplantierten – alle bitten mich für Fotos und Gespräche an ihren Stand. Ein schöner Start in den Tag :o).

 

Mit Kerstin Griese am Stand der SPDIm Tagesverlauf statte ich dann dem Stand der SPD einen Besuch ab, denn Kerstin Griese, die religionspolitische Sprecherin der SPD-Bundestagsfraktion, und Jenas Oberbürgermeister Albrecht Schröter sind da. Da ich mit beiden seit vielen Jahren an verschiedenen Stellen gut zusammengearbeitet habe, freue ich mich sie nun hier in Dresden zu treffen. Nachdem ich schon eine Weile da sitze, kommt auch noch der kurzzeitige bayrische Ministerpräsident Günter Beckstein hinzu. Wir sind uns einig, dass wir beide – er als Protestant in der CSU und ich als Christ in der LINKEN – wissen was es bedeutet Teil einer Minderheit zu sein.

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Ein Besuch als Symbol

„Miteinander reden schafft Neues“ stand über der Einladung für unseren Empfang zum Kirchentag in Dresden und ich hätte nicht gedacht, wie sehr das an diesem Abend zutrifft. Mein Kirchentag in Dresden begann schon am Mittwochmorgen, denn ich hatte eine Frühstücksverabredung mit Nikolaus Schneider, dem Ratspräsidenten der Evangelischen Kirche in Deutschland. Nach seinem Interview im ND im April hatte ich dem Nachfolger von Margot Käßmann und Wolfgang Huber einen Brief geschrieben, denn wir hatten bis dahin noch keine Chance gehabt, uns persönlich zu begegnen. Nun ergab sich also im Rahmen des Kirchentages die Möglichkeit für ein Treffen und die habe ich sehr gern genutzt.
Nikolaus Schneider, André Hahn, Bodo Ramelow und Gregor Gysi auf dem Empfang der LINKEN zum KirchentagWir haben viel über die persönlichen Hintergründe für unser jeweiliges Engagement gesprochen, aber natürlich auch über aktuelle Fragen der Religionspolitik und nicht zuletzt auch über den Besuch des Papstes im Augustinerkloster in Erfurt. Es war ein sehr gutes und offenes Gespräch an dessen Ende ich noch einmal auf unseren Empfang am Abend hinwies, allerdings fest annehmend, dass der Vorsitzende der EKD wohl kaum zu einem Empfang der LINKEN kommen würde – schließlich hatte sich auch keiner seiner Vorgänger in unsere Nähe gewagt. Weiterlesen

Ein Sozialist kann Christ sein, ein Christ muss Sozialist sein

Empfänge, vor allem die zum Jahresstart, sind meistens eher dröge Veranstaltungen. Die Gäste sehen es häufig als Pflichtveranstaltung an, den Einladern beim Formulieren ihrer Wünsche für das Jahr zuzuhören. Es geht ums Sehen und Gesehen-werden.

Vor einigen Jahren habe ich einen Neujahrsempfang erlebt, der mir bis heute in Erinnerung geblieben ist. Die Thüringer Linke hatte ihren Empfang in das Erfurter Augustinerkloster verlegt und die Hausherrin, Pröpstin Elfriede Begrich, hatte ein Grußwort zugesagt. Bis dahin schon ungewöhnlich, aber nicht spektakulär. Pröpstin Begrich ließ es sich aber nicht nehmen, in ihrer Rede Adolf Grimme, den Namensgeber des bekannten Fernsehpreises, mit einer fast schon vergessenen Textstelle zu zitieren: „Ein Sozialist kann Christ sein, ein Christ muss Sozialist sein“. Das saß. Weiterlesen