Armut? Welche Armut?

Michael Schlecht, Wirtschaftspolitscher Sprecher der Fraktion DIE LINKE im Bundestag:

Die Sozialstatistiken belegen es: Trotz geringer Arbeitslosigkeit wächst in Deutschland die Armut. Kein Wunder angesichts der Ausbreitung von Niedriglöhnen, prekären Jobs und Arbeitslosenhilfe auf Elends-Niveau. Als Konsequenz daraus müsste eigentlich mehr Umverteilung von oben nach unten folgen. Das aber gefällt einigen nicht. Zum Beispiel der Frankfurter Allgemeinen Zeitung. Die Armut sei nichts als ein „statistischer Trick“, schreibt sie. Dem schließt sich – ausgerechnet – SPD-Arbeitsministerin Andrea Nahles an.

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Gekeler: Loyal dienen – Diskriminierendes Arbeitsrecht bei Caritas, Diakonie und Co.

Alibri, 2013
319 Seiten, kartoniert, Euro 22.-
Best.Nr. 691 170

Von allen kirchlichen Privilegien ist das sog. Kirchliche Arbeitsrecht, das Millionen von Menschen von Anstellungen als Ärztin, Altenpfleger, Hausmeister oder Verwaltungsangestellte ausschließt, wohl das größte Ärgernis. Dass in Sozialeinrichtungen, sobald sie in kirchlicher Trägerschaft sind, diverse Grundrechte für die Beschäftigten nicht mehr gelten, ist ein andauernder Skandal.
Corinna Gekeler hat im Zuge der Kampagne Gegen religiöse Diskriminierung am Arbeitsplatz (GerDiA) untersucht, wer von derlei Diskriminierung alles betroffen ist und wie weit die Eingriffe ins Privatleben reichen. Ihre nun in einer stark erweiterten Fassung als Buch erschienene Studie gliedert sich in drei Teile.

Das Buch erhalten Sie u.a. über denkladen.de – Bücher fürs Diesseits

Mehr Bonhoeffer wagen!

Vom Ende der Unschuld: Die Bonhoeffer-Oper auf dem 34. Deutschen Evangelischen Kirchentag in Hamburg 2013

Von Ahmed Shah

„Vielleicht mag jemand Dietrich Bonhoeffer in 50 Jahren ins Zentrum einer Oper stellen. Aber der Dietrich Bonhoeffer, dem wir in unserer Beschäftigung mit ihm begegnet sind, der weigert sich, auf eine Bühne zu kommen…“ David Gravenhorst, Librettist.

Eine Oper über Bonhoeffer ohne Bonhoeffer – geht das? In Kerstin Harms Produktion Vom Ende der Unschuld, eine „Oper in fünf Bildern nach Motiven aus dem Leben und Denken des deutschen Theologen und Widerstandskämpfers Dietrich Bonhoeffer, 1906 -1945“, die im Auftrag von und im Rahmen des Kirchentags in Hamburg uraufgeführt wurde, taucht der historisch-biographische oder real-life-Bonhoeffer gar nicht auf. Und das Werk leidet deutlich darunter. Stattdessen wird uns eine Parabel angeboten, die uns laut ihrem Librettisten ermöglichen soll, „die Grenzen des historischen Geschehens hinter uns zu lassen“, um eine Geschichte zu erfahren, „die ohne Wissen um Dietrich Bonhoeffer und das Geschehen in Deutschland verstanden werden kann“.  Weiterlesen

Voll Wut, voll Trauer, voll Freude …

Erklärung zur Blockupy-Demonstration am 01.06. 2013 in Frankfurt

Am Samstag haben wir, Christ_innen verschiedenen Alters, verschiedener Konfessionen, organisiert und unorganisiert, uns an der Demonstration gegen das europäische Krisenregime in Frankfurt beteiligt.
Wir wollten unsere Ablehnung einer Politik deutlich machen, die in vielen europäischen Ländern Menschen in Arbeitslosigkeit treibt, sie zu Obdachlosen werden lässt, ihnen die Möglichkeit zu medizinischer Versorgung nimmt und Bildungssysteme zerstört.
Wir wollten gegen eine Politik demonstrieren, die Menschen weltweit zu unfreiwilligen Nomaden werden lässt, die auf ihren Wegen in eine vermeintlich bessere Welt in Wüsten verdursten und in Meeren ertrinken.
Wir wollten gegen die kapitalistische Weltordnung demonstrieren, die weltweit von Kriegen, von Umweltzerstörung, von Menschenrechtsverletzungen profitiert. Und wir wollten in Frankfurt deutlich machen, dass die strukturellen Unrechtsverhältnisse auch sichtbar gemacht werden können: zum Beispiel an der Europäischen Zentralbank.
Wir befanden uns in der Demonstration am Anfang, im antikapitalistischen Block und direkt dahinter. Aber unsere Erfahrungen waren überall die gleichen. Weiterlesen

Ulrich Duchrow: Gieriges Geld

Ich freue mich, auf das folgende, topaktuelle Buch hinweisen zu können:

Durchrow: Gieriges Geld Gieriges Geld

Auswege aus der Kapitalismusfalle – Befreiungstheologische Perspektiven

Inhalt

I. Tödliche strukturelle, kulturelle und persönliche Gier in Antike und Moderne
Kapitel 1: Logik, Spiritualität und Strukturen der Geldökonomie
Kapitel 2: Politik und Kultur in der modernen Geldzivilisation

II. Befreiende Religionen und Philosophien der Achsenzeit
Kapitel 3: Propheten und Tora des Alten Israel und Juda
Kapitel 4: Buddhismus
Kapitel 5: Griechische Philosophie
Kapitel 6: Jesusbewegung und Urchristentum
Kapitel 7: Islam

III. Befreiende Theologien und Spiritualität heute
Kapitel 8: Christliche Befreiungstheologien in Lateinamerika, Afrika, Asien, USA, Europa und der weltweiten Ökumene
Kapitel 9: Befreiungstheologien im Judentum, Islam, Buddhismus
Kapitel 10: Interreligiöse Kritik der von gierigem Geld getriebenen Moderne

IV. Handeln in der tödlichen Krise der westlichen Zivilisation
Kapitel 11: Realutopie einer Lebenskultur der Transmoderne
Kapitel 12: Wege zum Leben in gerechten Beziehungen Weiterlesen

Streikrecht oder Religion – wer muß dran glauben?

Zum Urteil des Bundesarbeitsgerichts in kirchlichen Einrichtungen

Von Regina Warnecke

(Mit freundlicher Genehmigung der Autorin. Im Original erschien der Text in der jungen Welt vom 27.11.2012)

Die Gewerkschaft ver.di hat sich ein ehrgeiziges Ziel gesetzt. Sie will mit den großen Wohlfahrtsverbänden, zu denen das Diakonische Werk gehört, einen Tarifvertrag »Soziales« abschließen, diesen für allgemeinverbindlich erklären lassen und damit Lohndumping im Pflegebereich unterbinden. Zur Erzwingung eines Tarifvertrages ist eine Gewerkschaft grundsätzlich berechtigt, Druck durch Streiks ausüben. Das ist geregelt in Artikel 9 Absatz 3 des Grundgesetzes: »Das Recht, zur Wahrung und Förderung der Arbeits- und Wirtschaftsbedingungen Vereinigungen zu bilden, ist für jedermann und für alle Berufe gewährleistet. Abreden, die dieses Recht einschränken oder zu behindern suchen, sind nichtig, hierauf gerichtete Maßnahmen sind rechtswidrig.« Dieses Recht, von Juristen Koalitionsfreiheit genannt, ist ein hohes Verfassungsgut und ein Freiheitsrecht. Weiterlesen

Vollversammlung der GEKE: „Frei für die Zukunft – Verantwortung für Europa“

Auf der 7. Vollversammlung der Gemeinschaft Evangelischer Kirchen in Europa GEKE, die vom 20. bis 26. September in Floranz stattfand, wurde ein zur Diskussion anregender und einladender Text angenommen, auf den ich gern auf dieser Seite hinweise. Im Folgenden können Sie den ersten Abschnitt lesen, den vollständigen Text können Sie sich hier als PDF herunterladen.

Frei für die Zukunft – Verantwortung für Europa

Stellungnahme der Vollversammlung

Vom 20. bis 26. September 2012 ist die Gemeinschaft Evangelischer Kirchen in Europa (GEKE) für ihre 7. Vollversammlung in Florenz zusammengekommen. Sie trifft sich damit in einer Zeit, in der der europäische Einigungsprozess in einer tiefen Krise steckt: Ihre Auswirkungen auf die Menschen, ihre Gesellschaft, die Demokratie und den europäischen Integrationsprozess sind kaum zu überschätzen. In dieser Situation wendet sich die Vollversammlung an die Mitgliedskirchen der GEKE und die europäische Öffentlichkeit. Weiterlesen

Kirchentag mal anders … Ein Beitrag für den Rundbrief des Instituts für Theologie und Politik von Selina Moll

Von Michael Ramminger habe ich folgenden interessanten Rückblick auf den Kirchentag erhalten:

Ich blicke zurück auf den 33. Evangelischen Kirchentag in Dresden und bin verwundert. Themen wie ziviler Ungehorsam, befreiende Theologien, engagierte Reden für Transformationsprozesse von unten, scharfe Kapitalismus- und Herrschaftskritik kommen mir in den Sinn. Was ist geschehen? Glauben wir den Zusammenfassungen des ZDF, dann ist der Kirchentag tatsächlich politisch gewesen! Und, ja, Aspekte wie der Atomausstieg, Afghanistaneinsatz, Stuttgart 21 kamen zur Sprache und wurden diskutiert. Außerdem gab es wieder mehr Resolutionen als bei den letzten Kirchentagen.

Genannt sei die Resolution „Für einen Raum für gleichgeschlechtliche Lebensformen in der Kirche“ und die Resolution „Gegen die Abschiebungen von Roma in die Republik Kosovo“. Vielleicht waren politische Themen beim diesjährigen Kirchentag mehr vertreten als in den letzten Jahren, vielleicht hat er sogar zur Politisierung von einzelnen Jugendlichen oder Gemeindemitgliedern geführt. Beim genauen Hinsehen fällt jedoch auf, dass ein übergeordnetes Thema fehlte und keine klare Positionierung des Kirchentags zu finden war. Weiterlesen