Michael Brie: Herrschaft und Glaube

Eine Geschichte aus dem Neuen Testament anders erzählt

Immer wieder lese ich von der ersten christlichen Gemeinde in Jerusalem und dem Umstand, dass sie auf dem Gemeineigentum basierte. Auch Rosa Luxemburg hat sich darauf bezogen, aber kritisch darauf hingewiesen, dass es vor allem eine Gemeinschaft der Konsumtion, nicht die Produktion gewesen sei (Luxemburg 2005). Verdrängt und oft auch ganz einfach verschwiegen wird, dass in dieser nun fast zweitausend Jahre alten Erzählung auch von Herrschaft und Mord berichtet wird. Verblüfft habe ich mich immer wieder gefragt, warum die Ambivalenz des neuen, des christlichen Aufbruchs – und zwar von den ersten Tagen an – so sehr in Vergessenheit gebracht ist. Oder auch: Wenn sie erinnert wird, dann wird, ich werde es zeigen, der Tragödie ausgewichen.

Die Bibel wiederum erzählt eine Geschichte über die erste Christengemeinde und ihre Gütergemeinschaft, die für mich sehr viel mit den frühen Gefahren der Verwandlung der christlichen Offenbarung und des Gemeineigentums in einen neuen Götzen zu tun hat. Sie erzählt von dem Ehepaar Ananias und Saphira. Sein Name bedeutet, „Jahwe ist gnädig“ und ihrer, so Neudorfer (1995: 111), könne mit „die Schöne“ übersetzt werden. Ich zitiere die Ende des 1. Jahrhundert unserer Zeitrechnung entstandene Apostelgeschichte aus dem Neuen Testament:

Weiterlesen