«Mehr als prekär»

Prekarisierung ist die neue Normalität – LuXemburg 1/2015 fragt nach strategischen Ansätzen im prekären Alltag, nach einem neuen «Anker», nach Möglichkeiten alltagsnaher Organisierung.

Titelbild: Protest der 595 entlassenen Reinigungskräfte des griechischen Finanzministeriums in Athen, 2014, © Marios Lolos

Titelbild: Protest der 595 entlassenen Reinigungskräfte des griechischen Finanzministeriums in Athen, 2014, © Marios Lolos

Prekarisierung meint längst nicht mehr nur die Ausweitung unabgesicherter, schlecht bezahlter Arbeitsverhältnisse – also mehr bad-jobs – sie ist in alle Lebensbereiche eingewandert: Zeitstress, die Unmöglichkeit das eigene Leben planen zu können, Verdrängung aus den Städten und wachsende Reproduktionslücken. Prekarisierung ist neue ›Normalität‹ – und doch betrifft sie nicht alle gleichermaßen, sind die Möglichkeiten, mit vielfältigen Verunsicherungen umzugehen, stark klassenabhängig. Oft ist vom ›Prekariat‹ die Rede – doch wer ist damit gemeint? »Alle wollen ihm entfliehen, niemand will dazu gehören«, schreibt Loïc Wacquant in LuXemburg 1/2015 über das »postindustrielle Prekariat«.

Und doch: Griechenland spielt uns die Musik einer Neugründung Europas von unten vor – aus der Krise sind nicht nur Linderungen der größten Not, sondern auch politische Perspektiven für uns alle entstanden. Ob sie sich stabilisieren können, ist die drängende Frage. Auch Arbeitskämpfe in prekärem Gelände sind keinesfalls aussichtslos. Die zahlreichen Streiks der letzten Jahre – viele in Branchen, die als ›unorganisierbar‹ oder wegen geschlechtlicher Zuschreibungen als nicht ›kampffähig‹ galten – haben es gezeigt. Weiterlesen

Armut? Welche Armut?

Michael Schlecht, Wirtschaftspolitscher Sprecher der Fraktion DIE LINKE im Bundestag:

Die Sozialstatistiken belegen es: Trotz geringer Arbeitslosigkeit wächst in Deutschland die Armut. Kein Wunder angesichts der Ausbreitung von Niedriglöhnen, prekären Jobs und Arbeitslosenhilfe auf Elends-Niveau. Als Konsequenz daraus müsste eigentlich mehr Umverteilung von oben nach unten folgen. Das aber gefällt einigen nicht. Zum Beispiel der Frankfurter Allgemeinen Zeitung. Die Armut sei nichts als ein „statistischer Trick“, schreibt sie. Dem schließt sich – ausgerechnet – SPD-Arbeitsministerin Andrea Nahles an.

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Prekäre Beschäftigung

Seit 2000 sind rund 1,7 Millionen Vollzeitarbeitsplätze vernichtet worden. Da muss es schon als Erfolg herhalten, dass sich der Verlust gegenüber 2000 in den letzten Jahren verringert hat.2010 lag der Verlust noch bei 2,6 Millionen reguläre Vollzeitstellen. Gleichzeitig sind 4,3 Millionen „bad jobs“ entstanden: Die massive Ausweitung von Teilzeitarbeit, geringfügiger Beschäftigung in Gestalt von Mini-Jobs und von Leiharbeit. Viel zu viele Menschen müssen in diesen Jobs dann auch noch befristet arbeiten. Außerdem sind viele in die Selbständigkeit gedrängt, damit Unternehmer sich die Sozialversicherungsbeiträge sparen können. (Michael Schlecht, wirtschaftspolitischer Sprecher der Bundestagsfraktion der Linken)

aus Michael Schlecht "Prekäre Arbeit"

aus Michael Schlecht „Prekäre Arbeit“

Michael Schlecht warnt in seiner Analyse zur prekären Arbeit: „Das dicke Ende kommt im Alter. Nur wer 45 Jahre mindestens 1700 Euro im Monat verdient hat, bekommt eine Rente, die oberhalb der Grundsicherung – also Hartz IV für den ‚Ruhestand’ – liegt. Von Altersarmut sind heute weniger als drei Prozent der Rentnerinnen und Rentner betroffen. Bis 2030 droht diese Zahl auf 20 Prozent zu steigen.”

Die ganze Analyse gibt es hier zum Herunterladen »

Prekarität und kollektive Handlungsfähigkeit

Das Buch kann hier unter der CC-Lizenz heruntergeladen werden»

Das gedruckte Buch ist bei VSA: Verlag erhältlich.

© VSA: Verlag 2015, St. Georgs Kirchhof 6, 20099 Hamburg
288 Seiten | 2015 | EUR 16.80
ISBN 978-3-89965-638-1

Gewerkschaftsarbeit im Niedriglohnsektor. Das Beispiel USA. Von Catharina Schmalstieg.

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